Was ist denn eigentlich „Dyke*“?

Dyke* ist ein englisches “Schimpf”-Wort und meint  „Lesbe“. Wie einige ehemalige Schimpfwörter erhielt der Begriff „Dyke“ im Laufe der feministischen und der homosexuellen Emanzipationsbewegungen eine positive Aufwertung und wurde zum stolzen und selbstbewussten politischen Begriff.

*Das Sternchen bei Dyke* / Lesbe* / Frau* ist als sogenanntes Gender-Sternchen ein Element im geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Der Gebrauch von * bildet jene Geschlechtervielfalt ab, die jenseits der Norm von männlich und weiblich existiert.


Aber es gibt doch schon den CSD?..

Dyke* March Oldenburg versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als eine Ergänzung zum Christopher Street Day und engagiert sich für LESBISCHE* Sichtbarkeit. Denn sowie in den Medien als auch beim Publikum werden die Lesben* zu wenig wahrgenommen – auch in den Berichten über den CSD.


Wofür brauchen wir überhaupt einen Dyke* March?

Zwar mag Deutschland im Vergleich zu einigen Ländern offen und tolerant erscheinen, jedoch gibt es immer noch viel zu tun – besonders wenn es um lesbische* Sichtbarkeit und Gleichberechtigung geht. Hier sind nur einige Themen, für die wir uns als Dykes* einsetzen:


Sichtbarkeit und Anerkennung

Neben der mangelnden Medienpräsenz bekommen lesbische Projekte zu wenig Fördermittel. Unsichtbar bleiben Lesben* auch bei der Aufarbeitung der Vergangenheit: lesbische Frauen*, die im Dritten Reich aufgrund ihrer Sexualität verfolgt wurden, sind bis heute nicht im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes anerkannt. Zwar wurde der weiblichen Homosexualität die Bedrohung des öffentlichen Lebens nicht beigemessen (Paragraf 175), allerdings waren lesbische Frauen* in vielen Fällen von  Abwertung und Verleumdung betroffen.


Kampf gegen Sexismus und Homophobie

Die Lebenssituation von lesbischen Frauen* ist neben Homophobie und Transphobie gleichzeitig stark von Sexismus geprägt. In den Medien werden immer noch sexistische und lauter heterosexuelle Inhalte, Lebensformen, Körperbilder, Verhaltensmodelle etc. vermittelt. Mit unserem Leben hat das nur wenig zu tun. Gender Pay Gap (ungleiche Bezahlung von Männern* und Frauen*), gläserne Decke (ein Phänomen, bei dem hochqualifizierte Frauen selten in höhere Positionen aufsteigen), sexualisierte physische und psychische Gewalt sind weitere Beispiele davon, womit frau* in ihrem Leben zu kämpfen hat. Bei einer lesbischen Frau* kommt Homophobie dazu: vom Arbeitsplatz bis Privatleben sind homosexuelle Frauen* immer noch unendlichen Stereotypen („Mannsweib“, „zu hässlich um einen Mann zu finden“, „Männerhasserin“) und Hürden (Wohnungs-, Arbeitssuche) ausgesetzt. Die Stigmatisierung ist die Strafe fürs Brechen mit dem traditionellen Rollenbild der Frau*.


Die Benachteiligung lesbischer* Eltern

Bei der Mann-Frau-Ehe gilt der Ehemann automatisch als Vater, wenn die Ehefrau während der Ehezeit ein Kind gebärt. Es ist weder Adoption noch Vaterschaftsanerkennung nötig. Wenn ein lesbisches Ehepaar ein Kind bekommt, gilt nur die biologische Mutter als Mutter, ihre Frau* muss das Kind erst noch aufwendig adoptieren.


Lesbischsein* und Alter

Alterssicherung, Wohnformen, Gesundheitsprävention, Versorgung und Pflege, Rentenpolitik und Altersarmut sind für Lesben* oft ein problematisches Thema, da ihre Lebensentwürfe in Alters- und Pflegeeinrichtungen nicht berücksichtigt oder auch immer noch verurteilt werden. Lesbische* Paare sind unter anderem wesentlich stärker von Altersarmut betroffen als heterosexuelle* oder schwule* Paare


Internationale Solidarität

Seit wann gibt es denn den Dyke* March?

Der erste Dyke* March war 1981 in Kanada, am Vortag zum Pride in Vancouver. Seither finden Dyke* Marches am Vortag oder eine Woche vor dem CSD einer jeweiligen Stadt statt und bezwecken ein Starkmachen der frauenliebenden Frauen* der Region. Deutschland ist keine Ausnahme geblieben – im Jahre 2013 gab es den ersten deutschen Dyke* March in Berlin. Seitdem häufen sich die Städte, die den Dyke* March bei sich willkommen heißen und für mehr lesbische*  Sichtbarkeit auftreten.


Alles klar, wer darf denn alles kommen?

Wir laden alle herzlich ein, die sich als Dyke* – sei es als queere, cis-, bi-, inter-, pan-, trans-, asexuelle Frau* – definieren, unsere Liebe zu Frauen* gemeinsam zu feiern und für die Sichtbarkeit unserer Themen, Geschichten und Erfahrungen zu demonstrieren.


Wir wünschen uns:

...bunte, menschenfreundliche Parolen, politische Forderungen im Rahmen des Grundgesetzes und der Menschenrechte, lauten Gesang, Tanz, Lärm, Fröhlichkeit, Selbstbewusstsein und Mut, zu sich selbst zu stehen. 


Was wir nicht wünschen:

...herabsetzende, beleidigende, rassistische, frauenverachtende, homo-, trans-und interfeindliche, religiös fanatische, lächerlich machende Parolen, Flaggen, Transparente und Gesang. Werbung für Parteien, Religionsgemeinschaften, Firmen und faschistisches Gedanken”gut”.